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Bereits als ich noch keinen Hund hatte interessierte ich mich schon für die Rettungshundearbeit. So war auch das erste Kommando das Jack wirklich konnte  ” Gib Laut ”. Er bellte was das Zeug hielt und das bereits im Alter von ca. 12 Wochen. Naja, die Zeit verging wohl etwas sehr schnell, denn nun ist Jack 4 Jahre alt und wir haben ”schon” die Eignungsprüfung abgelegt.

Im Januar haben wir erfahren das bei der Rettungshundestaffel Isar e.V. in Schwaig im Juni ein Kurs ansteht. Ich hab uns angemeldet und so ging's dann eben los.

Der Lehrgang sollte 10 Tage dauern. Vom 14. bis 24. Juni. In der Lehrgangsbeschreibung war so eine Art Stundenplan enthalten. In dem hieß es: ”Täglich 6.30 Uhr Anzeigeübung” und ”Mit unangekündigten Nachtübungen ist jederzeit zu rechnen”. Ich dachte das heißt soviel wie: ”So gegen 6.30 Uhr sollte man aufstehen und die Nachtübungen konnte ich mir im Vereinsheim recht gemütlich vorstellen. Denkste, die Schwaiger meinten das ernst.

 

Dcp_0042klein.Der erste Tag war wirklich gemütlich. Bis 18.00 Uhr Anreise, dann Aufstellen der Zelte, anschließend Abendessen, Begrüßung und Gemütliches Beisammensein. Nachts praktisch kein Schlaf. Kein Wunder im Zelt bei Regen.

 

 

Am Freitag den 15. Juni ging's dann ganz gemütlich los: 7.00 Uhr Wecken, 8.00Uhr Gehorsamsübungen und Wesensüberprüfung. Anschließend Anzeigeübung und etwas Parcoursarbeit. Dann Abendessen und noch Theorie ”Erste Hilfe”.

Am Samstag ging's dann wirklich los. Pünktlich um 6.30Uhr begann die Anzeigeübung, das heißt: um ca. 5.30Uhr aufstehen und mit dem Hund gehen. Um 7.00 Uhr Frühstück, 7.30 Antreten dann Abfahrt ins Gelände.

Dcp_0004klein.Wir fuhren in die Feuerwehrschule von Bayern. Ist ein echt gutes Gelände. Trümmerkegel, Schächte, teilzusammengebrochene Häuser, Tunnelsysteme, alles was man sich nur vorstellen kann. Natürlich gehört es dazu das man sich diese Tunnelsysteme zuerst einmal ohne Hund ansieht. Das heißt Helm auf, Taschenlampe an und ab in die Röhren, immer den Ausbildern nach. So verging der Vormittag also größtenteils auf Knien. Wir haben viel gesehen und gehört. Nachmittags wurde es dann richtig ernst. Zuerst Anzeigeübungen dann ein paar Suchen. Ab und zu wollte Jack nicht alleine in die Tunnelsysteme laufen. Naja, dann eben wieder Helm auf, Taschenlampe an und ab in die Röhren, Jack hinter mir, vor mir, neben mir, unter mir und gelegentlich auch auf mir. Gut das uns niemand gesehen hat. Die hätten sich totgelacht. Wir aber auch fast. Leider verging der Tag ziemlich schnell. Heimfahrt. Abendessen. Theorie ”Schadenselemente”. Ende gegen 23.00Uhr. Ich verkroch mich gleich in meinen Schlafsack und da wurde mir zum erstenmal bewußt das am Ende des Lehrgangs auch eine Prüfung ist. Theorie und Praxis. Praxis kein Problem dachte ich, auf Jack kann ich mich verlassen. Aber was ist mit Theorie? Wann soll ich noch die Zeit finden zu lernen? Abends um 23.00Uhr im Schlafsack mit Taschenlampe? Naja irgendwie wird es schon gehen.

So vergingen die Tage. Man gewöhnt sich an viel, auch an Stress. Freie Minuten während des Tages nutze ich zum Lernen, Unterordnung, Knotenkunde, Erste Hilfe Übungen, usw. Langeweile gab es nicht, höchstens Gedanken an daheim: Wie geht’s Steffi, wie Bandy und Siska, was macht der Kater, was mein Sofa und mein Fernseher? Aber dann wurde man sofort wieder rausgerissen: Fertigmachen zur Suche! Oder es wurde von den Ausbildern eine Erste-Hilfe Übung im großen Stiel eingebaut. Es war wirklich wie im Einsatz. Glaub ich jedenfalls.

Zwischendurch immer wieder Besprechungen mit Babsi (unserer Ausbilderin), was war falsch, was kommt als nächstes, wie können wir uns verbessern. Abends war dann nach dem Abendessen immer eine Abschlussbesprechung in dem alles was Tagsüber vorgekommen war erläutert wurde. So hatte jeder Gelegenheit auch aus den Fehlern anderer zu lernen und den Fortschritt der Gruppe besser zu überblicken.

Täglich der selbe Ablauf: 5.30Uhr Aufstehen, 6.30Uhr Anzeigeübung, 8.00Uhr Abfahrt ins Gelände, 18.30Uhr Abendessen, 20.00Uhr Theorie. Wann sollte da noch eine Nachtübung sein? dachte ich mir immer wieder und war mir sicher das es sich dabei nur um einen Scherz handeln konnte. Wieder ein mal ”Denkste”. 2.00Uhr Sirenengeheul und Geschrei. Ich glaubte irgend etwas von ”Alarm” zu hören. Die Stimme von Mathias (dem Kursleiter) wurde deutlicher und mir wurde so im Halbschlaf bewusst das ich jetzt wohl aufstehen sollte oder gar musste. Na ja, wird eben ein kleiner Nachtmarsch dachte ich mir mit einem Bein im Overall und dem anderen im Wassernapf vom Jack. Scheiße! Jetzt aber schnell. Ich hab schon was gehört von ”Antreten” und wie ich den Mathias kenne macht der in solchen Situationen keine Scherze. Also, raus aus dem Zelt. Rucksack geschultert, Helm auf und ab die Post. Gott sei Dank war ich nicht der letzte. Befehlsausgabe: Explosion in der alten Funkanlage in Hallbergmoos. Einsatzleitung übernimmt die Susanne, Aufsitzen, Abfahrt. Ankunft in Hallbergmoos. (Bisher hab ich noch keine geraucht, war nicht schön!) Ich wurde zur Bergemannschaft eingeteilt. Gut so dachte ich. Endlich Zeit zum rauchen. Rettungshundeführer wurden eingeteilt. Funkgeräte ausgegeben. Große Hektik, viel Stress, nur die Bergemannschaft hatte ein ruhiges Leben, richtig schön. Hund versorgt, noch eine geraucht, nun wollte ich wieder zum gemütlichen Teil übergehen. Ein Ruf von Susanne ”Bergemanschaft bereitmachen”. Schluss mit lustig. Wo müssen wir hin. Kurze Erklärung, dann ab mit uns. Es ist faszinierend wie sich der Mensch in solchen Lagen täuschen lässt und tatsächlich von einem Ernstfall ausgeht. Für mich war es nun wirklich Einsatz. Zu dem Einsatzort der Rettungshundeführer führte ein ca. 150m langer Stollen, ca. 1,50m hoch. Wir ab durch den Tunnel. Den ersten Verletzten zurück durch den Tunnel geborgen. Den zweiten und den dritten ebenso. Die Zeit verging wie im Flug. Es war 6.00Uhr morgens als alles vorbei war. Rücken gerade gebogen, Hund versorgt. Heimfahrt. Weißwurstfrühstück und ein Weißbier. Die Welt war wieder in Ordnung.

Da kam dann der Tag der Prüfung. Es ging alles gut. Wir haben nicht schlecht bestanden. Ein Risiko bestand sowieso nur bei der Theorie, denn die hing von mir ab. In der Praxis war mir klar ”Der Jack macht das” und er hat es auch gemacht, und wie! Er ist eben ein durch und durch toller Hund.

Am Sonntag, den 24. Juni war dann leider alles vorbei. Zeltabbau, Verabschieden, Heimfahrt.

Viele Grüße und recht herzlichen Dank an den Kai, der aus dem fernen Friesland zu diesem Lehrgang kam und mit seinem total lieben Border Collie Suntje die Strapazen auf sich nahm und mich und Jack täglich in seinem Auto mitgenommen hat.

 

 

Ich möchte mich nochmals bei allen Ausbildern, sowie bei allen die zum Erfolg dieses Lehrgangs beigetragen haben bedanken. Vor allen aber bei Mathias ( Chef ), Helga ( Chefin ), Babsi ( Ausbilderin ) und Martin ( Figurant ) bedanken. Es war eines der schönsten Erlebnisse die ich bisher gemeinsam mit Jack hatte.